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Wird Bruder Barnabas jetzt Wanderprediger? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 06. März 2010 um 20:31 Uhr

Der Fas­ten­pre­diger vom Nock­her­berg, Bruder Bar­nabas alias Mi­chael Ler­chen­berg, seines Zei­chens Schau­spieler, räumt das Feld des all­jähr­li­chen Stark­bier­brim­bo­riums in Bayern. Wie Sie kennen den Nock­her­berg nicht? Na, Sie wissen schon, des is des wo die Schau­spieler und Ka­ba­ret­tisten in die Rolle po­li­ti­scher Funk­ti­ons­träger schlüpfen und sich die Re­al­ge­sichter der­je­nigen dort ver­sam­meln um sich so manche ka­ba­ret­tis­ti­sche Ohr­feige bis hin zum Ganz­ab­watschn ab­zu­holen.

 
Und der am An­fang stets seine Fas­ten­pre­digt hal­tende Mönch heißt eben Bruder Bar­nabas und hat in ver­schie­denster Be­set­zung in den letzten Jahr­zehnten, so manche emp­find­liche Watschn ver­teilt. Watschn ist bay­risch und heißt so viel wie Ohr­feige. Al­ler­dings schon ein klein wenig kräf­tiger als die preu­ßi­sche Ohr­feige ist die bay­ri­sche Watschn schon. Mi­chael Ler­chen­berg ist einer der we­nigen Brü­der­dar­steller, der tat­säch­lich oft­mals sehr deut­lich den po­li­ti­schen „Gips­köpfen“ den Spiegel vor­hielt und sich auch nicht scheute kräftig aus­zu­teilen. Seine dies­jäh­rige Äu­ße­rung zu den Sprü­chen Guido Wes­ter­welles im Zu­sam­men­hang mit den Be­zie­hern von Ar­beits­lo­sen­geld II (Hartz IV) je­doch führte zu Pro­testen aus po­li­ti­scher Rich­tung und aus dem Zen­tralrat der Juden in Deutsch­land.
 
Auf der Seite TV-Kult, unter http://www.tv-kult.com/neues/1646-der-schau­spieler-mi­chael-ler­chen­berg-tritt-nach-kz-ver­gleich-als-bar­nabas-zu­rueck.html wird Ler­chen­berg mit seiner Äu­ße­rung fol­gend zi­tiert:
 
"Alle Hartz-IV-Emp­fänger sam­melt er in den leeren, ver­blühten Land­schaften zwi­schen Usedom und dem Rie­sen­ge­birge, drum­herum ein großer Sta­chel­draht - hamma scho moi g'habt. Dann gibt's a Was­ser­suppn und einen Kanten Brot. Statt Heiz­kos­ten­zu­schuss gibt's von Sar­ra­zins Win­ter­hilfs­werk zwei Pull­over, und überm Ein­gang, be­wacht von jung­li­be­ralen Ich­lingen im Gelb­hemd, steht in ei­sernen Letter: "Leis­tung muss sich wieder lohnen"."
 
Damit hat er sich un­be­liebt ge­macht. Solch ein Sze­nario als „Blick in die Zu­kunft“ zu wählen ist schon immer eine Grat­wan­de­rung auf ka­ba­ret­tis­ti­schem, frisch ge­boh­nertem, Par­kett. Und Mi­chael Ler­chen­berg ist aus­ge­rutscht. Ich möchte uns hier mal die po­li­ti­schen Äu­ße­rungen Wes­ter­welles, aber auch an­derer Po­li­tiker ins Ge­dächtnis rufen be­züg­lich der Leis­tungs­emp­fänger und Leis­tungen nach dem SGB II; der ge­neigte Leser möge sich dann ein klein wenig selbst Ge­danken dar­über ma­chen:
 
Wes­ter­welle
 
"Leis­tung muss sich lohnen, und wer ar­beitet muss mehr haben als der, der nicht ar­beitet. Wenn das nicht mehr be­achtet wird, ist die so­ziale Markt­wirt­schaft ge­fährdet." -ftd.de
 
"Meine Po­litik för­dert die Flei­ßigen, schützt die Schwa­chen und be­straft die Faulen. Es gibt kein Recht auf staat­lich be­zahlte Faul­heit." -In­ter­view in FOCUS, 3. No­vember 2003
 
Philip Miss­felder, CDU
 
Der Chef der Jungen Union, Philipp Miß­felder, hat wieder einmal ein Vollbad im Fett­napf ge­nommen. Nachdem das CDU-Prä­si­di­ums­mit­glied schon einmal künst­liche Hüft­ge­lenke für 85-Jäh­rige in Frage stellte, ließ er nun wissen, dass die Er­hö­hung der Hartz-IV-Be­züge für Kinder zwi­schen sechs und 13 Jahren "ein An­schub für die Tabak- und Spi­ri­tuosen-In­dus­trie" sei. (Quelle: su­ed­deut­sche.de 2009)
 
 Busch­kowsky stützt Miß­fel­ders Hartz-IV-Äu­ße­rung (Quelle: www.welt.de, Fe­bruar 2009) Busch­kowsky ist Be­zirks­bür­ger­meister im Ber­liner Stadt­teil Neu­kölln
 
All­seits be­kannt dürfte mitt­ler­weile Franz Mün­te­fe­rings Äu­ße­rung sein: „Wer nicht ar­beitet, soll auch nicht essen!“
 
 «Bio­logen ver­wenden für 'Or­ga­nismen, die zeit­weise oder dau­er­haft zur Be­frie­di­gung ihrer Nah­rungs­be­din­gungen auf Kosten an­derer Le­be­wesen – ihren Wirten – leben', über­ein­stim­mend die Be­zeich­nung 'Pa­ra­siten'» ließ Wolf­gang Cle­ment, da­mals noch Su­per­mi­nister unter Schröder in einer Bro­schüre „Vor­rang für die An­stän­digen - Gegen Miss­brauch, "Ab­zocke" und Selbst­be­die­nung im So­zi­al­staat“ ver­breiten.
 
Die Liste sol­cher und ähn­li­cher Äu­ße­rungen lässt sich noch ein Stück fort­setzen. Ich habe hier be­wußt Tilo Sar­razin weg­ge­lassen, al­lein seine Äu­ße­rungen gäben Stoff für einen ei­genen mehr­sei­tigen Ar­tikel. Ebenso hat auch der jet­zige baye­ri­sche Ge­sund­heits­mi­nister, Herr Söder; immer wieder in den Me­dien bril­liert mit seinen fik­tiven Zahlen über Hartz IV Fa­mi­lien, die an­geb­lich immer mehr be­kämen als schwer ar­bei­tende Fa­mi­li­en­väter und – mütter. Wobei er, nach meiner Kenntnis, bis heute nicht der Auf­for­de­rung ver­schie­dener Me­dien nach­ge­kommen ist, seine Zahlen nach­voll­ziehbar zu be­legen. Könnte er auch nicht, da in den meisten das Kin­der­geld hinzu ad­diert wurde, ob­wohl es den Be­dürf­tigen als Ein­kommen ab­ge­zogen wird.
 
Nun regt sich Po­litik und der Zen­tralrat der Juden dar­über auf, dass Ler­chen­berg einen Ver­gleich für eine mög­liche Zu­kunfts­sicht wählte, der sich dem Bild eines Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers im III. Reich tat­säch­lich sehr weit nä­hert und auch in diese Rich­tung zielte. Nur ver­wech­selt, meiner Mei­nung nach, die Schar der ge­neigten Kri­tiker des Mi­chael Ler­chen­berg, hier Ur­sache und Wir­kung. Der Ver­gleich von Bruder Bar­nabas ist eine Aus­wir­kung, eine Re­ak­tion auf po­li­ti­schen Ter­minus wie oben zi­tiert. Die Ur­sache für solche harten Ver­gleiche hat die Po­litik in den ei­genen Reihen zu su­chen. Für viele von uns ein­fa­chen Bür­gern schrillten be­reits bei den Äu­ße­rungen Mün­te­fe­rings und dem Ge­schrie­benen von Cle­ment die Alarm­glo­cken und viele Men­schen aus meiner Um­ge­bung meinten „NEIN, sowas wollen wir nicht noch einmal!“. In­so­fern liegt auch der Zen­tralrat der Juden knapp neben der Spur mit seiner Kritik an Ler­chen­berg.
 
Als ich im Ge­schichts­un­ter­richt und in ei­genen Re­cher­chen die Grau­sam­keiten und Gräuel des III. Rei­ches be­griffen hatte, brauchte ich ei­nige Wo­chen um damit in ir­gend­einer Weise fertig zu werden. Ich fiel da­mals in eine schwere de­pres­sive Ver­stim­mung über diese furcht­baren Grau­sam­keiten. Dankbar war ich, dass es in Deutsch­land wieder jü­di­sche Ge­meinden gab, ja auch einen Zen­tralrat der Juden. Ihn sah ich als den Wächter für ein fa­schis­ten­freies Deutsch­land. Als einen Mahner, der seine Stimme er­heben wird und klar aus­sagen, wenn wir wieder Be­stre­bungen dieser Art in un­serem Land haben; und durch ihn werden wir er­kennen können, weil das jü­di­sche Volk (das Volk das der All­mäch­tige wie seinen Aug­apfel hütet) durch diese Grau­sam­keiten gehen musste, wann wir auf­stehen müssen um eine neue Welle des Fa­schismus zu ver­hin­dern.
 
Was mich nun heute ein wenig nach­denk­lich macht ist, dass wir Po­li­tiker haben die offen ihre men­schen­ver­ach­tenden An­sichten ver­breiten dürfen, wie ein Wolf­gang Cle­ment und auch ein Franz Mün­te­fe­ring und so weiter, aber zum Pa­ra­si­ten­ver­gleich, zu Mün­te­fe­rings „wer nicht ar­beitet, soll auch nicht essen“, dem stän­digen Ge­ne­ral­ver­dacht unter den eine be­stimmte Volks­gruppe ge­stellt wird und auf die immer wieder zur Hetze ge­blasen werden kann, wenn die Um­fra­ge­zahlen für die Par­teien sinken oder ein be­stimmtes Kli­entel be­dient werden muss, hörte ich bis heute keine Kritik aus den Reihen des Zen­tral­rats der Juden. Warum ei­gent­lich?
 
Ist es ver­werf­li­cher, dass Ler­chen­berg diesen Ver­gleich zum Auf­rüt­teln der Men­schen ge­wählt hat um Be­stre­bungen auf­zu­de­cken, die zu­min­dest höchst ver­dächtig sind, wie­derum eine Un­ter­schei­dung zwi­schen Men­schen und bes­sere Men­schen her­bei­zu­führen, oder aber die Pa­ra­si­ten­ver­gleiche Cle­ments und her­ab­wür­di­genden Äu­ße­rungen für Leis­tungs­be­zieher nach SGB II eines Herrn Sar­razin?
 
Mög­li­cher­weise aber habe ich auch die Rolle des Zen­tral­rats der Juden nur falsch ver­standen. Zu einem em­pörten Wes­ter­welle möchte ich mich nicht weiter äu­ßern. Das emp­finde ich ein­fach nur als lä­cher­lich. Sehr ge­troffen hat mich auch, dass „Fonsi“, der Ka­ba­ret­tist Chris­tian Springer, eben­falls dort aus­ge­schieden ist, da er als Mi­t­autor für diese Texte ver­ant­wort­lich zeichnet. Ge­troffen des­wegen, da er wäh­rend eines seiner Pro­gramme tat­säch­lich den ka­ba­ret­tis­ti­schen Rock nieder legte und Guido Wes­ter­welle öf­fent­lich die Mei­nung sagte. Hut ab vor sol­chen Ka­ba­ret­tisten. Diese Szene ist bei you­tube und ich denke auch in der Me­dia­thek des Baye­ri­schen Rund­funks zu finden.
 
Bruder Bar­nabas, wie schon die Hei­lige Schrift sagt: „Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Pro­phet gilt nir­gends we­niger als in seinem Va­ter­land und in seinem Hause" (Mt. 13,57), emp­fehle ich Dir, geh' auf Wan­der­schaft und pre­dige dort wo Du hin­ge­führt wirst. Viel­leicht ver­stehen Dich dort die Men­schen besser?
 
;fea­ture=re­lated

 

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 15. März 2010 um 23:37 Uhr
 

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