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ALG II und Grundsicherung: Sparen bei den Wohnkosten armer Menschen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Andreas Klamm-Sabaot, Journalist   
Samstag, den 24. Juli 2010 um 18:04 Uhr

Berlin. 24. Juli 2010. Nach neuesten Plänen der Bun­des­re­gie­rung und des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­riums und In­for­ma­tionen in Me­dien-Be­richten, sind wei­tere Kür­zungen im Be­reich von Wohn- und Miet­kosten für arme, alte, chro­nisch kranke und be­nach­tei­ligte Men­schen ge­plant. Von diesen Plänen sind auch be­troffen Emp­fänger von Ar­beits­lo­sen­geld II, be­kannter als Hartz 4. Das meldet das christ­liche Me­dien-Portal evan­ge­lisch.de und wei­tere Me­dien in Deutsch­land.

Die Bun­des­re­gie­rung wolle jetzt „Ernst ma­chen mit ihrem Vor­haben einer Wohn­kosten-Pau­schale” für die Be­zieher von Hartz 4, der so­ge­nannten fi­nan­zi­ellen So­zial-Transfer-Zah­lungen. Die Pläne wurden von dem Spre­cher des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­riums Jens Flos­dorff ge­gen­über der Zei­tung „Fi­nan­cial Times Deutsch­land“ be­reits be­stä­tigt. Die Miete, die er­stattet werden könne, sollte künftig nicht mit in­di­vi­duell be­rechnet werden, son­dern durch re­gional ein­heit­liche Be­rech­nungs-Mo­delle und Kri­te­rien er­setzt werden, emp­fehle eine Ar­beits­gruppe. Eine solche Re­ge­lung sei in den Sat­zungen von Kom­munen der Städte und Ge­meinden mög­lich.

Be­schrän­kung des Wohn­raums

Der Wohn­raum für arme und al­lein­ste­hende Men­schen soll nach den neuesten und ge­planten Re­ge­lungen auf nur 25 Qua­drat­meter be­schränkt werden. Das sei je­doch noch nicht der of­fi­zi­elle Maß­stab der Bun­des­re­gie­rung oder des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­riums. Der Richt­wert für die Größe einer Woh­nung liegt bei al­lein­ste­henden Men­schen nach of­fi­zi­ellen In­for­ma­tionen zur Zeit bei 45 Qua­drat­meter.

Die CDU-CSU-Union und die FDP hatten bis­lang in ihrem Ko­ali­tions-Ver­trag um eine Ver­ein­fa­chung in der Ver­wal­tung zu er­rei­chen, re­gio­nale Pau­schal-Zah­lungen für Miet-Kosten für Men­schen ver­ein­bart, die fi­nan­zi­elle So­zi­al­leis­tungen auf­grund von Er­werbs­lo­sig­keit, Krank­heit oder Alter be­ziehen. Dies solle, so das Ar­beits­mi­nis­te­rium, eine um­fang­reiche Prü­fung im Ein­zel­fall über die An­ge­mes­sen­heit einer Woh­nung, die von Men­schen be­wohnt wird und die fi­nan­zi­elle Hilfen er­halten, über­flüssig ma­chen. Bei Wohn­kosten, die un­ter­halb der vor­ge­se­henen Fi­nanz- und Aus­gabe-Grenzen liegen, solle deren An­ge­mes­sen­heit „nicht pau­schal ge­prüft“ werden. Mit der neuen Re­ge­lung solle er­reicht werden, dass die Ober­grenzen für Wohn­kosten von den Kom­munen, das meint Städte und Ge­meinden, „auf Basis va­lider, trans­pa­renter und nach­zu­prü­fender Kri­te­rien“ fest­ge­legt werden könnten. Re­gional wolle das Ar­beits­mi­nis­te­rium mit den Über­le­gungen „mehr Dif­fe­ren­zie­rungs-Mög­lich­keiten“ er­rei­chen.

So­zial-Ver­bände und So­zial-Ak­ti­visten üben Kritik an den neuen ge­planten Kür­zungen für arme Men­schen in Deutsch­land in Bezug auf die Wohn­kosten. Es werde zu­neh­mende die Kom­pe­tenz und Ver­ant­wor­tung aus dem Grund­ge­setz ver­misst, wo­nach Deutsch­land ein so­zialer und de­mo­kra­ti­scher Bun­des­staat sei.

An­dere Men­schen, lassen die Pläne kalt, denn „be­hin­derte, kranke, arme, chro­nisch kranke und alte Men­schen“, be­treffen uns nicht, sagen viele Men­schen in Deutsch­land, denen es zur Zeit fi­nan­ziell be­trachtet noch etwas besser geht, als Men­schen, die bei allen An­stren­gungen, keine So­zi­al­ver­si­che­rungs-pflich­tige Er­werbs-Ar­beit in Deutsch­land finden können. In­zwi­schen ver­stehen mehr und mehr Men­schen, dass es bei den neuen ge­planten Kür­zungen der Bun­des­re­gie­rung und des Bun­des­ar­beit­mi­nis­te­riums nicht nur um arme, be­hin­derte, chro­nisch kranke und alte Men­schen geht, die keine Er­werbs-Ar­beit mit Be­zah­lung mehr finden können

Die ersten Ver­mieter be­ginnen auch dar­über nach­zu­denken, was wohl mit ihren Woh­nungen ge­schehen könnte, die die Ver­mieter und Haus­ei­gen­tümer gerne ver­mieten wollen, na­tür­lich zu Mieten, die die Haus­ei­gen­tümer und Ver­mieter zuvor fest­legen und nicht das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rium.

Hier be­ginnt sich der Wirt­schafts­kreis­lauf in Deutsch­land zu schließen. Das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rium und die Re­gie­rung wollen die Kosten für Woh­nungen kürzen und So­zi­al­leis­tungs-be­dürf­tige Men­schen werden nicht mehr, son­dern we­niger Geld für den Le­bens­un­ter­halt und Miete er­halten. Folge: Häusle-Bauer, die darauf bisher ge­hofft haben, dass diese die Kosten über Mieter re­fi­nan­zieren und ver­teilen können, müssen sich in naher Zu­kunft mit dem Fakt und der Tat­sache ver­traut ma­chen, dass ent­weder die Woh­nungen in Deutsch­land leer stehen bleiben, weil es kaum noch Men­schen gibt, die die Miet­kosten be­zahlen können oder Ver­mieter von Woh­nungen müssen die viel ge­rin­geren, von der Bun­des­re­gie­rung und dem Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rium vor­ge­ge­benen Zah­lungen für die Miete von Woh­nungen ak­zep­tieren, um we­nigs­tens noch ei­nige Cent für Er­träge aus Ver­mie­tungen auf ihren Konten ver­bu­chen zu können.

Die Liste der Ver­lierer in Deutsch­land wächst damit kon­ti­nu­ier­lich und ständig: Nicht nur arme, chro­ni­sche kranke, be­hin­derte, alte Men­schen und Men­schen ohne be­zahlte Er­werbs-Ar­beit ver­lieren oder werden be­nach­tei­ligt in Deutsch­land, son­dern auch Ei­gen­tümer von Wohn­an­lagen, Häu­sern und Miet-Woh­nungen. So un­ge­wöhn­lich diese Kon­stel­la­tion sein mag: Si­cher ist, dass wenn die neuen Pläne rea­li­siert werden die Gruppe der Ver­lierer in Deutsch­land und der be­nach­tei­ligten Men­schen stark zu­nehmen wird. Bleibt nur der Tipp, sich einen Ab­ge­ord­neten des Land­tags von Nie­der­sachsen als neuen Mieter zu su­chen, denn die Po­li­tiker und Po­li­ti­ke­rinnen haben sich erst vor kurzem ihre mo­nat­li­chen Diäten auf stolze 6.000 Euro im Monat er­höht und künftig steigen die Diäten ab dem Jahr 2011 au­to­ma­tisch an. Der au­to­ma­ti­sche An­stieg der Diäten von Po­li­ti­kern und Po­li­ti­ke­rinnen wurde neu ge­re­gelt um künftig, so die of­fi­zi­elle Be­grün­dung, „öf­fent­liche De­batten über die Diäten von Po­li­ti­kern“ zu ver­meiden. Der Bund der Steu­er­zahler und an­dere Ver­bände kri­ti­sierten die Er­hö­hung der Diäten der Po­li­tiker unter an­derem wegen der feh­lenden Trans­pa­renz in Zeiten der wirt­schaft­li­chen Krise in Deutsch­land.

Kritik an den neuen Kür­zungs-Plänen für Wohn- und Miet­kosten

Wäh­rend der Spre­cher des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­riums, Flos­dorff, die Größe einer Woh­nung von 25 bis 45 Qua­drat­meter für al­lein­ste­hende Men­schen, die auf fi­nan­zi­elle So­zial-Zah­lungen an­ge­wiesen sind, als „sach­ge­recht“ be­zeich­nete, warnte der Deut­sche Städte- und Ge­mein­de­bund (DStGB): „Der Woh­nungs­markt in vielen Städten ist so eng, dass güns­ti­gere Woh­nungen für Lang­zeit­ar­beits­lose (…) kaum vor­handen sind und des­halb Um­züge in grö­ßerem Um­fang gar nicht statt­finden können. Es wird nicht funk­tio­nieren, dass die Bun­des­re­gie­rung ein so­ziales Streit­thema auf die Kom­munen ab­wälzt.”, sagte Uwe Zim­mer­mann vom DStGB der WAZ-Me­dien­gruppe.

Die Kritik von Bündnis 90 / Die-Grünen-Chef, Cem Özedmir, in einem Bei­trag der WAZ-Gruppe ist noch deut­li­cher, der Bund ent­ziehe sich mit der Über­tra­gung der Be­stim­mung der Höhe der Miet­kosten „seiner Ver­ant­wor­tung und setzt den Kom­munen die Pis­tole auf die Brust: Ent­weder sie werden ihrer so­zialen Ver­ant­wor­tung wirk­lich ge­recht und kommen damit in große Haus­halts­nöte oder sie gehen den so­zial Schwächsten dras­tisch an die Gurgel.“

Mit den neuen ge­planten Kür­zungen für Miet- und Wohn­kosten könnten so­ziale Kämpfe „neue Di­men­sionen in Deutsch­land finden, die bisher nur mit Zeiten schwerster Krisen und von Krieg oder von Nach­kriegs-Jahren ver­gleichbar sein könnten“, be­fürchten Be­ob­achter von so­zialen Ini­tia­tiven und Gruppen. Für Ver­mieter müsse man auch als so­ziale Ini­tia­tive „Ver­ständnis und Mit­ge­fühl emp­finden, denn wer lässt sich schon gerne als Ver­mieter, die Miet­kosten vom Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rium oder der Bun­des­re­gie­rung dik­tieren und wer lasse sich in Bezug auf Woh­nungen schon gerne ge­wis­ser­maßen Zwangs-ent­eignen?“ Die neuen Re­ge­lungen ver­schlech­tern nicht nur die Le­bens-Si­tua­tion be­dürf­tiger, chro­nisch, kranker, armer und alter Men­schen, son­dern diese Pläne führen zu einer Ver­schlech­te­rung der Le­bens-Si­tua­tion aller Men­schen in Deutsch­land, seien es die Ver­mieter, die Mieter oder die Ver­treter auch eh­ren­amt­lich tä­tiger Men­schen in po­li­ti­schen Gre­mien in Städten, Kreisen und in Ge­meinden.

Die Zahl der Men­schen, die solche Pläne der Bun­des­re­gie­rung als so­zial un­ge­recht und als deut­liche Be­nach­tei­li­gung emp­finden, wächst. Auf der einen Seite er­höhen sich Po­li­tiker die Diäten in Zeiten wirt­schaft­li­cher und fi­nan­zi­eller Krisen, die auch noch dazu jetzt au­to­ma­tisch er­höht werden und auf der an­deren Seite, sollen die Men­schen und Bürger in Deutsch­land fi­nan­zi­elle Kür­zungen stetig hin­nehmen, hö­here Steuern und So­zi­al­ab­gaben be­zahlen? Für wen, wozu und zu wessen Vor­teil ? – so die Frage vieler Men­schen, die in klas­si­schen Main-Stream-Me­dien nicht ge­sendet und auch nicht ge­druckt wird. Es gibt in­zwi­schen mehr und mehr Men­schen in Deutsch­land, die laut und offen fragen: „Kann sich Deutsch­land das bis­he­rige und mit sehr hohen Kosten (Diäten) ver­bun­dene po­li­ti­sche System noch leisten, das we­nige Men­schen fi­nan­ziell be­güns­tigt und Mil­lionen von Men­schen in Deutsch­land bet­telarm macht.“

 

 

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 26. Juli 2010 um 22:44 Uhr
 

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